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Vogelgrippe in Deutschland: Fakten statt Panikmache

Angesichts der Ankunft der Vogelgrippe in Deutschland hat das Komitee gegen den Vogelmord vor einer generellen Hysterie gegenüber Wildvögeln gewarnt. Im Gegensatz zu der von zahlreichen Medien betriebenen Panikmache sei die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung des Erregers von ziehenden Vögeln auf normale Naturbeobachter und Vogelfreunde „extrem unwahrscheinlich“, so Komitee-Präsident Heinz Schwarze.

Fakten statt Panikmache

Wie der Name schon sagt, handelt es sich bei der Vogelgrippe um eine typische Tierkrankheit, in diesem Fall ausgelöst durch ein Virus mit der Bezeichnung „H5N1“. Während sich der Erreger – ähnlich wie ein Schnupfen in der U-Bahn - in Legebatterien oder an Rastplätzen von Wildvögeln z.T. sehr schnell ausbreiten kann, wird die Gefahr einer Übertragung auf den deutschen Ottonormalverbraucher von Experten als äußerst niedrig eingeschätzt. „Wer keinen direkten Kontakt zu Wildvögeln hat, dem kann auch nichts passieren“, faßt Schwarze zusammen. Dazu kommt: Anders als bei der „normalen“ Influenza ist die Übertragungskette der Vogelgrippeviren von Mensch zu Mensch bisher als „extrem instabil“ (Schwarze) zu bezeichnen. Einzig und allein die zufällige und äußerst unwahrscheinliche Mutation des Virus zu einem hochinfektiösen „Superüberträger“ wäre die Voraussetzung für die gefürchtete „Pandemie“. Doch eine entsprechende Variante wurde bisher weder in Asien noch in Europa entdeckt.

Trotz dieser entlastenden Befunde wird die Gefahr durch Wild- und Zugvögel von vielen deutschen Medien weiter hochgeschrieben. Zusammen mit Bildern von ABC-Panzern auf Rügen haben Schlagzeilen wie „Killer-Enten im Anflug“ oder „Gefahr aus der Luft“ dafür gesorgt, daß viele Bundesbürger Wildvögel mittlerweile als ernsthafte Gefahr für ihre Gesundheit betrachten. So erschoß – berichtet die Bild-Zeitung - Mitte Januar 2006 ein 55jähriger Rentner aus Sachsen-Anhalt einen Mäusebussard, um damit seine Hühner vor der Vogelgrippe zu schützen. Was für Blüten die Vogelgrippe-Hysterie sonst noch treibt, zeigt auch das Beispiel des Vizechefs der russischen Staatsduma, Wladimir Schirinowski. Der bekannte Rechtspopulist forderte in einer Parlamentssitzung, die gesamte männliche Bevölkerung „zwischen Soltschi und der Krim“ unter Waffen zu stellen, um sämtliche Zugvögel aus der Türkei abzuschießen. „Die Regierung muß dem Vogelzug einen Riegel vorschieben“, wird Schirinowski vom Nachrichtendienst Rußland-Aktuell zitiert.

Das Komitee gegen den Vogelmord ist über solche Forderungen entsetzt und ruft die Politiker in der EU zu besonnenem und verantwortungsvollem Handeln auf. „Zugvögel sind keine Todesschwadronen. Die Tötung von Millionen Tieren darf keine Option sein und lenkt nur von anderen Gefahrenquellen ab“, meint Schwarze.


Vogeljäger müssen zu Hause bleiben

Nicht unterschätzt werden darf das Infektionsrisiko, das von frisch getöteten Tieren ausgeht. Wie der Fall von zwei auf Rügen gefundenen Singschwänen aus Estland belegt, kann das Virus von ziehenden Wasservögeln transportiert werden. Wenn solche infizierten Tiere von Jägern geschossen, gerupft und zubereitet werden, kann es in der Tat zu einer Übertragung kommen. Angesichts von mehr als einer Millionen pro Jahr in Deutschland geschossenen Wasservögeln ein handfestes Risiko. Das Komitee hat deshalb Agrarminister Horst Seehofer (CSU) und alle Landesregierungen aufgefordert, die Zugvogeljagd im kommenden Herbst vorsichtshalber ganz zu untersagen. Während in Deutschland bisher nur Mecklenburg-Vorpommern ein entsprechendes Verbot erlassen hat, müssen Vogeljäger in Polen, der Ukraine, Bulgarien, Rumänien und in der Türkei bereits seit Monaten wegen der Vogelgrippe auf ihr Hobby verzichten. Dort hat die Angst vor der Seuche – so paradox es klingen mag – bereits Millionen Zugvögeln das Leben gerettet.

Gefahr durch illegalen Vogelhandel

Ein weiteres mögliches Einfalltor für die Grippeviren ist der nach wie vor weit verbreitete Handel mit exotischen Zier- und Greifvögeln. Während die EU bis auf weiteres alle legalen Importe gestoppt hat, schmuggeln Schwarzhändler nach wie Tausende geschützte Falken, Singvögel, Papageien und andere Gefiederte nach Deutschland. Angesichts weltweiter Schmuggelrouten sowie qualvoller und unhygienischer Transportbedingungen sind solche illegalen Lieferungen ein ideales Sprungbrett für Tierkrankheiten aller Art. Das Komitee hat deshalb Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) gebeten, die Kontrollen von Vogelbörsen, Tierhändlern und Importeuren in Deutschland zu verstärken und den von der EU verhängten Importstop streng zu überwachen. Daß Vogelgrippe-Erreger durch illegale Vogeltransporte tatsächlich bis nach Mitteleuropa gelangen können, zeigt der Fall von zwei geschmuggelten Haubenadlern, die im Oktober 2004 am Brüsseler Flughafen im Handgepäck eines Falkners entdeckt wurden. Beide Tiere stammten aus Thailand und waren mit der gefährlichen Vogelgrippe-Variante infiziert.


30.7.2007 15:44:01



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