Sein kleines und extrem unzugängliches Verbreitungsgebiet in den Bergregenwäldern Amazoniens hatte die Gebirgs- oder Blaukopfaras lange Zeit dem Zugriff von Vogelfängern und Wilderern entzogen. Doch mit zunehmender Erschließung ihres Lebensraumes wächst die Bedrohung durch den illegalen Handel. Selbst im größten Schutzgebiet Südamerikas, dem peruanischen Manu-Nationalpark, stellen Wilderer den Tieren für internationale Auftraggeber nach.
Nur selten gelangten Blaukopfaras vor 1990 nach Europa, wie die zwei für das Jahr 1913 aus dem Berliner Tierpark mitgeteilten Exemplare. Ihr unzugängliches und abgelegenes Verbreitungsgebiet im Osten Perus war schwer erreichbar und blieb lange Zeit unentdeckt. Nur ab und zu tauchte in einer Lieferung mit anderen grünen Aras nach Europa ein Exemplar mit einem blauen Kopf auf. Zoohändler und Importeure konzentrierten sich auf andere Arten, die problemlos in großen Stückzahlen eingeführt werden konnten. Heute gilt Ara couloni - so der wissenschaftliche Artname - bei Papageiensammlern in der ganzen Welt als Rarität, für die bis zu 6.000 U$ Dollar pro Exemplar geboten werden. Unsummen, die professionelle Wilderer auf den Plan rufen. Trotz strenger Schutzbestimmungen fangen sie allein in Peru jedes Jahr Hunderte Vögel für den illegalen Verkauf nach Europa.
Der letzte Schrei
Entlang der Flüsse Huallaga, Manu und Tambopata gibt es viele Familien, die vom Tierfang leben. Artenschutz ist ein Luxus, den man sich hier am Fuß der Anden nicht leisten kann. Bezahlt werden die Fänger von Zoohändlern aus der Hauptstadt Lima, die vor allem Reptilien und seltene Papageien ordern. "Coulonis sind in Europa der letzte Schrei! Mit denen läßt sich zur Zeit mehr Geld verdienen, als mit Kokain.", erzählt Tino Auca, Ara-Experte des Neotropical Bird Clubs aus Cuzco. Zusammen mit amerikanischen Zoologen hat Auca in den letzten Jahren versucht, den Brutbestand der Blaukopfaras zu erfassen. Auf Nestfunde kann er sich dabei allerdings nicht verlassen. Bis heute gibt es keinerlei wissenschaftliche Beschreibung von Nest, Neststandort oder Fortpflanzungsökologie der Art. Zählungen an Felsen, die von den Aras als Mineralienquelle aufgesucht werden, erlauben allenfalls grobe Schätzungen des Brutbestandes. "Interpretiert man die Daten optimistisch, kommen wir auf etwa 2000 Brutpaare in Peru. Es können aber genauso gut nur noch 1000 Exemplare übrig sein.", so Auca. Solche Zahlen beeindrucken Wilderer indes wenig. An den Schlafplätzen der Tiere spannen sie bis zu 50 Meter lange Netze, die beim Anflug ganzen Familienverbänden zum Verhängnis werden. Weil sie sich in Gefangenschaft bisher nur wenige Male fortgepflanzt haben, gelten Blaukopfaras bei fanatischen Papageiensammlern als die Rolls-Royces unter den Krummschnäbeln. Nachdem es 1996 einem Tschechen zum ersten Mal gelang, die Art zu züchten, eifern ihm immer mehr reiche Sammler und Hobbyzüchter aus Europa erfolglos nach. So steigen die Nachfrage und der Gewinn skrupelloser Tierschieber, die von Lima aus den gefahrlosen Nachschub via Rußland und Osteuropa organisieren. Daß das Geschäft zur Zeit boomt, ergaben privat finanzierte Recherchen des Komitees in der peruanischen Hauptstadt. Im August 2000 stellten Mitarbeiter des Verbandes mehr als 30 Ara couloni bei drei verschiedenen Händlern fest. Vier von fünf befragten Händlern boten Blaukopfara zum Verkauf an; einer lieferte sogar ein schriftliches Angebot über die Lieferung von 10 Exemplaren zum Preis von 50.000 U$ Dollar ab.
Über Rußland nach Europa
Vor wenigen Jahren sei es endlich gelungen, die Blaukopfaras, diesmal in vielen Exemplaren (>50 Stück) über Russland nach Europa einzuführen, frohlockte vor kurzem die deutsche Züchter-Gazette "Gefiederte Welt". Mindestens 17 Paare seien in die Schweiz geschickt worden und weitere befänden sich in der Tschechischen Republik. Daß es sich dabei offensichtlich um einen großangelegten illegalen Tierschmuggel gehandelt hat, wird dabei nur am Rande erwähnt. So bittet man dann auch um Verständnis für die Tatsache, daß keinerlei Auskünfte über Gebirgsarahalter in Deutschland erteilt werden können. Offiziell hat die EU nämlich die Einfuhr wildgefangener Blaukopfaras für den Handel verboten. Doch enorme Gewinnspannen sind offenbar immer eine Herausforderung für die kriminelle Energie einzelner Händler. So bietet z.B. im Oktober 1999 eine Tierhandelsfirma aus dem Hunsrück ihren Kunden wildgefangene Blaukopfaras aus Peru an - zu besichtigen im tschechischen Zwischenlager. Mitte 1999 befreiten Zollfahnder 11 illegal eingeführte Blauköpfe aus dem Papageien- und Erlebnispark "Plantaria" bei Kevelaer (Nordrhein-Westfalen). Insider schätzen allein den Wert dieser 11 Vögel auf mehr als 100.000 DM. Damit war die niederrheinische Kollektion die erste in Deutschland, bei der - zumindest einige Monate lang - alle 14 noch existierenden Vertreter der Gattung Ara ausgestellt waren. Ob es dieser zweifelhafte Ruhm war, der den Bundesverband für fachgerechten Natur- und Artenschutz (BNA) bewog, Parkbetreiber Werner N. am 17. April 1999 die goldene Ehrennadel des Verbandes für besondere Verdienste um die Vogelzucht zu verleihen, ist indes noch unklar. Genützt hat dies dem Ausgezeichneten jedoch wenig: Die Dokumente, mit denen BNA-Mitglied N. die Nachzucht und den legalen Besitz seiner Blaukopfaras nachweisen wollte, erwiesen sich als Fälschungen. Alarmiert durch die Razzia am Niederrhein riet der BNA daraufhin allen
Haltern von Ara couloni in seinen Reihen, einmal zu prüfen, wie sie ihren legalen Besitz nachweisen können und ggf. um anwaltlichen Rat nachzusuchen.
Doch nicht nur in Deutschland sind bisher geschmuggelte Blaukopfaras aufgetaucht: Im April 1998 wurden bei einer unter dem Codenamen "Operation Palate" durchgeführten Polizeirazzia im englischen Yorkshire mehr als 100 Papageien, darunter 6 Coulonis, beschlagnahmt. Später meldeten Moskauer Zollfahnder einen weiteren Erfolg: Auf dem Flughafen stellten sie eine unbekannte Anzahl von Blaukopfaras sicher - deklariert als Zierfische. Trotz dieser Erfolge gegen die Schmuggler befinden sich nach Schätzungen des Komitees zur Zeit noch etwa 250 weitere illegale Blaukopfara allein in der EU - eingefangen zur Befriedigung egoistischer Sammelleidenschaften.
Höherer Schutzstatus gefordert
Weil Handel und Fangverbote in Südamerika nur sehr schwer zu überwachen sind, kann ein effektiver Schutz nur durch eine konsequente Verfolgung und Sanktion krimineller Tierhändler in Europa erfolgen. Ein erster Schritt hin zu einem besseren Schutz der Blaukopfaras wäre eine Hochstufung der Art in Anhang I des Washingtoner Artenschutzabkommens. Bisher ist der Schutzstatus der Art mit dem eines Graupapageis vergleichbar. Die beim Schmuggel zu befürchtenden Strafen stehen so in keinem Verhältnis zu den erzielbaren Gewinnspannen. Das Komitee hat deshalb Bundesumweltminister Jürgen Trittin gebeten, sich auf der nächsten Vertragsstaatenkonferenz des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) für eine Hochstufung der Art in Anhang I einzusetzen. Bestehende Handelsverbote könnten so noch effektiver durchgesetzt und überwacht werden. Um den Anreiz für weitere illegale Einfuhren zu nehmen, sollten nach Meinung des Komitees weiterhin sämtliche Blaukopfara ohne Herkunftsnachweis konsequent beschlagnahmt und zoologischen Einrichtungen überstellt werden.
Artikel erschienen im Artenschutzbrief Nr. 5 (2001)
(c) 2004 Komitee gegen den Vogelmord
Autor: Axel Hirschfeld
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19.10.2004 11:29:40
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