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Mehr Platz für den Spatz !

Auf vielfache Anregung werden wir ab dieser Ausgabe in jedem Artenschutzbrief eine Vogelart vorstellen, der Sie mit einfachen Mitteln rund um Haus und Garten persönlich helfen können. Beginnen wollen wir mit dem Vogel des Jahres 2002, dem Haussperling.

Der Spatz ist sicher der bekannteste und erfolgreichste gefiederte Kulturfolger. Als die Menschen vor 10.000 Jahren die ersten Bauwerke errichteten, zog es den Felsenbrüter aus seiner Heimat in den vorderasiatischen Steppengebieten zu den künstlichen Klippen und Schluchten - und er blieb. Mit den Häusern der Menschen verbreitete sich der Sperling um die ganze Welt. Heute ist er kaum mehr aus einem Ortsbild wegzudenken. Besonders attraktiv macht ihn dabei seine Geselligkeit. Anders als die meisten anderen Vögel ist der Haussperling ein Koloniebrüter. Hat er einen günstigen Nistplatz gefunden, folgt meist eine ganze Schar von Artgenossen, die mit ihren Rufen und quirligen kleinen Streitigkeiten einen Hof mit unvergleichbaren Leben füllen. Sein Nest baut der Spatz unter losen Dachpfannen, in Rolladenkästen, unter Verblendungen der Hausfassade und in kleinen Nischen im Mauerwerk. Die Brutzeit beginnt Mitte April. Bei günstigen Witterungsbedingungen können bis November vier Bruten großgezogen werden. Sperlinge leben in der Regel in "Dauerehe", gelegentlich kann es aber auch einmal vorkommen, daß ein besonders fleißiges Männchen gleich zwei Weibchen mit der Brut beschäftig. Die Küken und Jungvögel werden mit Insekten, Spinnen und Asseln gefüttert, die Alttiere ernähren sich fast ausschließlich von Sämereien. Der einzige Verwandte des Spatzes in unseren Breiten ist der Feldsperling. Er sieht dem Haussperling recht ähnlich. Auch er ist ein Kulturfolger. Im Gegensatz zu ihm bleibt er aber den Städten fern und siedelt lieber in Hecken, Obstwiesen und an Waldrändern in der Nähe kleinerer Dörfer. Doch dem Haussperling geht es nicht so gut, wie es auf den ersten Blick erscheint. Seine Bestände gehen seit den frühen 80er Jahren deutlich, wenn auch nicht dramatisch, zurück. Sollte sich an dem Trend nichts ändern, wird unser Spatz in zehn Jahren auf der Roten Liste der gefährdeten Vogelarten erscheinen. Grund für die traurige Prognose ist der gestiegene "Ordnungssinn" in unserem Land. Die letzten Nischen und Ritzen - perfekte Nistplätze für den Spatz - fallen aufwendigen Renovierungen zum Opfer. Kunterbunte, arten- und strukturreiche Bauerngärten werden durch englischen Rasen, Rosenrabatten und Thujahecken ersetzt. Wo einst die Vögel ihr tägliches Staubbad nahmen, hat man getreu dem Motto "Unser Dorf soll schöner werden" Kopfsteinpflaster und Asphaltwüsten angelegt. Es wird eng für den Spatz. Doch es ist nicht zu spät. Jeder kann dem Haussperling helfen, auch in unserer modernen Welt ein Plätzchen zum Überleben zu finden. An erster Stelle steht dabei die Erhaltung und Schaffung von Nistplätzen. Erhalten Sie nach Möglichkeit "natürliche" Nistplätze an Ihrem Haus, z.B. Spalten im Übergangsbereich von der Fassade zum Dach sowie Öffnungen und Belüftungslöcher im Bereich des Dachstuhls. Sollte Ihr Haus nach einer Renovierung keine solchen Plätze mehr aufweisen, können Sie dem Spatz mit herkömmlichen Nistkästen - selbst gebaut oder gekauft - hervorragend helfen. Verwendung finden können dabei alle Nistkastentypen, die ein Einflugloch von mindestens 32 mm Durchmesser haben (handelsüblicher Kohlmeisenkasten). Die Kästen werden am Haus oder in direkter Nähe dazu aufgehängt. Da Sperlinge wenig territorial sind, können Sie viele Nisthöhlen in geringem Abstand zueinander anbringen. Wenn Sie diese wenigen Punkte beachten und vielleicht auch noch Ihre Nachbarn überzeugen können, Ihnen gleich zu tun, können Sie binnen kurzer Zeit Haus und Garten zu einem Sperlingsparadies machen.

Artikel erschienen im Artenschutzbrief Nr. 6 (2002)

(c) 2004 Komitee gegen den Vogelmord

Autor: Alexander Heyd

gedruckte Exemplare sind erhältlich beim Komitee gegen den Vogelmord e.V., Auf dem Dransdorfer Berg 98, 53121 Bonn, Tel: 0228-665521, Fax: 0228-665280

Email: info@komitee.de

19.7.2004 13:49:29



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