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Mauersegler - Vogel des Jahres 2003

Der Naturschutzbund hat denMauersegler zum Vogel des Jahres 2003 ernannt. Der schnittige Zugvogel ist aus den hochsommerlichen Großstädten Europas nicht wegzudenken. Mit sagenhafter Geschwindigkeit jagen die Tiere laut kreischend durch die aufgeheizten Häuserschluchten und sorgen auch für ein akustisches Sommergefühl. Als Gebäudebrüter repräsentiert er eine ganze Reihe von Kulturfolgern, denen in den immer steriler werdenden Städten eine ungewisse Zukunft bevorsteht.


Die vor allem in den Tropen beheimatete Familie der Segler ist in Deutschland nur durch Alpen- und Mauersegler vertreten. Während der Mauersegler überall in Deutschland verbreitet ist, kommt der größere Alpensegler lediglich in den Hochlagen der Alpen und im Breisgau vor. Einen Großteil ihres Lebens verbringen Mauersegler in Afrika. Erst im März erreichen die Vögel Europa, in Deutschland treffen sie frühestens Mitte April ein. Die Brutzeit dauert nur wenige Wochen und bereits Anfang August machen sie sich wieder auf den Weg in ihre zentralafrikanischen Winterquartiere.

Daß Mauersegler wahre Flugkünstler sind, verwundert nicht weiter. Die Tiere machen praktisch alles im Fluge. Von der Insektenjagd über die Balz bis zur Paarung, Segler fliegen ihr gesamtes Leben lang. Selbst den Schlaf verbringen die Vögel in der Luft - was dazu führt, daß sie bei nächtlichem Sturm auch einmal um einige Hundert Kilometer verdriftet werden können. Lediglich die Weibchen bekommen zur Brutzeit festen Boden unter die Flügel. Einmal gelandet, ist ein Mauersegler vollkommen hilflos. Ein Start gelingt ihm nur, wenn er sich einen mindestens drei Meter hohen Abhang herabfallen lassen kann. Er ist damit perfekt an das Leben in steilen Felslandschaften angepaßt und hat sich deshalb vor wenigen Jahrhunderten auch dem Menschen angeschlossen. Eine Entscheidung, die Naturfreunden heute große Sorge bereitet. Wenn auch der Mauersegler noch eine häufige  Vogelart ist, bekommt er wie Sperlinge, Grauschnäpper und andere Kulturfolger mehr und mehr Probleme mit der Gebäudesanierung. Seine Brutplätze unter undichten Verblendungen, lockeren Dachziegeln und in Mauerritzen werden im verbreiteten Ordnungswahn unserer Mitmenschen mit immer moderneren Mitteln beseitigt.

Hauseigentümer, Mieter von größeren Gebäudekomplexen und engagierte Tierfreunde können dem Mauersegler aber einfach helfen. Zunächst steht der Erhalt natürlicher Brutmöglichkeiten an Gebäuden im Vordergrund. Bei der Sanierung von Gebäuden kann man mit den Eigentümern und Handwerkern einen Schutz der bestehenden Brutplätze verabreden. Sollte dies nicht möglich oder nicht gewollt sein, kann man unter Dachvorsprüngen oder Gebäudeabsätzen Segler-Nistkästen anbringen. Die Kästen, z.B. von der Firma Schwegler, werden extra für diesen Zweck hergestellt und können auch in der  entsprechenden Hausfarbe gestrichen werden. Da die Tiere Koloniebrüter sind, können die Kästen in beliebiger Menge aufgehängt werden. Zumindest sollten aber die durch die Sanierungsmaßnahmen  zerstörten Brutplätze ersetzt werden. Für Neubauvorhaben gibt es spezielle Niststeine. Diese können direkt ins Mauerwek eingelassen werden und bieten natürlich nicht nur den Seglern neue Nistmöglichkeiten. Besonders bei großen öffentlichen Bauvorhaben sind derartige Spezialsteine wirklich  empfehlenswert und viele Bauherren haben sich auch schon zu dieser einfachen Naturschutzmaßnahme überreden lassen.

Der Mauersegler ist einer unserer häufigsten und auffälligsten Vögel. Damit er es auch bleibt, müssen wir ihm und den anderen kulturbegleitenden Tierarten unserer Dörfer und Städte ein wenig mehr Platz einräumen. Hoffen wir, daß es uns gelingt.

Artikel erschienen im Artenschutzbrief Nr. 7 (2003)
(c) 2004 Komitee gegen den Vogelmord
Autor: Michael Schlingemann
gedruckte Exemplare sind erhältlich beim Komitee gegen den Vogelmord e.V., Auf dem Dransdorfer Berg 98, 53121 Bonn, Tel: 0228-665521, Fax: 0228-665280, Email: info@komitee.de


8.6.2004 15:26:29



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