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Startschuß für die Offene Weidelandschaft Schwentinetal

Neben den Raisdorfer Krötenteichen besitzt das Komitee gegen den Vogelmord auch 17 Hektar Weideland an der Schwentine im Kreis Plön (Schleswig-Holstein). Hier entsteht nun ein einmaliges Projekt zum Schutz einer naturnahen Aue: die Offene Weidelandschaft Schwentinetal. Die Schwentine entwässert das östliche Hügelland Schleswig-Holsteins und mündet bei Kiel in die Ostsee. Zwischen Preetz und Raisdorf ist ihr natürlicher Zustand weitgehend erhalten geblieben, so daß es in diesem Talraum die unterschiedlichsten wertvollen Lebensräume gibt. Das Umfeld der Schwentine wird durch sandige Böden bestimmt, die über der lehmigen, eiszeitlichen Grundmoränen anstehen. Die Sandböden sind durch ihren geringen Feinerdeanteil "t;natürlich"t; nährstoffarm und trocken.

Alle Bereiche werden schon seit Jahrtausenden als Weide- oder Mahdflächen genutzt. Als diese Nutzung für die Landwirte unrentabel wurde, erwarben zunächst die Gemeinde Raisdorf und später dann auch das Komitee einen Großteil der Flächen, um sie für den Naturschutz zu sichern. Weitere Bereiche oberhalb der Aue kamen dann noch über den Ankauf durch die "Stiftung Naturschutz" des Landes Schleswig-Holstein dazu. Insgesamt stehen ab 2004 679.000 Quadratmeter für den Naturschutz zur Verfügung!

Bereits nach dem ersten Ankauf 1987 wurde auf der Basis eines mit dem Landesamt für Natur nd Umwelt abgestimmten Pflegekonzeptes eine extensive Beweidung der Wiesen mit Rindern durchgeführt. Im Vordergrund stand und steht dabei die Erhaltung und Entwicklung artenreicher Feuchtwiesen. Dieses Ziel ist auf einem Teil der Flächen bereits erreicht. Aufgrund der unterschiedlichen und sehr vielfältigen Standortverhältnisse hat sich dort ein buntes Mosaik von Vegetationstypen entwickelt. Für die Schwentine liegen umfangreiche Untersuchungen zur Fauna aus den Jahren 1988 und 1998-2000 vor. Untersucht wurden unter anderem acht Insektengruppen: Libellen, Heuschrecken, Zikaden, Schwebfliegen, Rüssel- und Blattkäfer sowie Tag- und Nachtfalter. Wesentliche Erkenntnisse zur aktuellen Qualität der Schwentine-Niederung als Lebensraum für Insekten lieferten die Gruppen der Zikaden, Rüssel- und Blattkäfer, deren Artenzahl im Jahr 2000 deutlich gegenüber den Untersuchungen von 1988 gestiegen ist Wichtiger noch war die Erkenntnis, daß zahlreiche spezialisierte Arten der Feuchtwiesen, Sümpfe und Röhrichte in der Schwentine-Niederung einen geeigneten Lebensraum finden. Viele dieser Arten sind im Bestand bedroht, da ihr Lebensraum überall abnimmt. Besonders erwähnenswert ist die Ansiedlung mehrerer gefährdeter Vogelarten, die nur im Offenland vorkommen: Braunkehlchen, Feldlerche und Wachtelkönig brüten inzwischen auf unseren Naturschutzflächen und - seit 2003 - auch der Wiesenpieper. Der Neuntöter besiedelt mit mehreren Brutpaaren die heckenreichen Grünländer. Damit wurden genau die Zielarten gefördert, die im Schwentinetal einen geeigneten Lebensraum finden können und die auch landesweit durchweg gefährdet sind. Die Wiesen entlang des Flusses haben sich aber auch positiv für Wintergäste und Durchzügler entwickelt. Seeadler, Bekassinen, Schellenten, Gänsesäger und Kiebitze werden seit Jahren wieder regelmäßig beobachtet.

Auch die sechs neu angelegten Gewässer in der Niederung beherbergen inzwischen eine vielfältige Tierwelt. Insbesondere für die Amphibien erwiesen sich die Gewässer als großer Gewinn. Sechs Arten treten in zum Teil großen Beständen auf: Moor-, Gras-, Laub- und Wasserfrosch, Erdkröte und Teichmolch. Lediglich der Laubfrosch konnte bislang durch die Maßnahmen nicht nachhaltig gefördert werden. Er bevorzugt Gewässer in mineralischem Boden. 2003 wurden zwei Gewässer auf einem entsprechenden Standort am Talrand neu angelegt. Es bleibt zu hoffen, daß auch der stark gefährdete Laubfrosch hiervon endlich profitiert. Ausgesprochen erfreulich gestaltet sich auch die Entwicklung der Ringelnatterbestände. Diese landesweit stark gefährdete Art ist auf den Schwentinewiesen inzwischen häufig geworden. Durch den Abschluß eines Betreuungsvertrages haben sich die drei Grundeigentümer verpflichtet, ab 2004 die "Offene Weidelandschaft Schwentinetal" einzurichten. Auf der Basis eines Pflege- und Nutzungskonzeptes soll die extensive Beweidung und die Landschaftspflege durch den in Raisdorf ansässigen Partnerverband des Komitees "knik e.V." ("Koordination Natur im Kreis") umgesetzt werden. Finanzielle Mittel für dieses große Projekt sind bisher vom Kreis Plön, vom Land Schleswig-Holstein und von der Umweltlotterie "Bingo-Lotto" in Aussicht gestellt worden. Die bisherige Entwicklung hat bereits dazu geführt, daß die Flächen als europaweit bedeutendes Reservat gemäß der FFH-Richtlinie ("Flora-Fauna-Habitat- Richtlinie") ausgewiesen werden sollen. Wir gehen davon aus, daß die jetzt anlaufenden Maßnahmen einen hervorragenden Beitrag für den Naturschutz leisten werden und das Schwentinetal auch über das Land Schleswig-Holstein hinaus ein Vorzeigeprojekt werden wird.

Artikel erschienen im Aretnschutzbrief Nr.8 (2004)
(c) 2004 Komitee gegen den Vogelmord e.V.
Autor: Heinz Schwarze

gedruckte Exemplare sind erhältlich beim Komitee gegen den Vogelmord e.V., Auf dem Dransdorfer Berg 98, 53121 Bonn, Tel: 0228-665521, Fax: 0228-665280, Email: info@komitee.de

27.11.2007 13:16:22



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