Das Bergdorf Collio, unweit des Gardasees, liegt in einem der Brennpunkte der Wilderei in Italien. So viele Wilderer wie hier gibt es kaum irgendwo anders in Europa. Kein Wunder also, daß die Gegend schon lange vom Komitee und seinen italienischen Partnern regelmäßig besucht wird, um Vogelfallen und Fangnetze einzusammeln.
Einer der Tage, an denen wieder ein Einsatz in Collio auf dem Plan stand, war der 15. Oktober 2000. Eine kleine Gruppe Komiteemitglieder stieß nahe der kleinen Siedlung Pantaghino auf einen Pfad voller Bogenfallen. Er schlängelte sich durch denWald auf ein Haus zu und ehe sich die vier Naturfreunde versahen, standen sie mit über 300 Fallen beladen vor dem Anwesen. Der Hausherr war offenbar der Besitzer der Fanggeräte, denn mit einem Mal stand er mit einem Gewehr auf der Veranda und schoß ohne jede Vorwarnung. Francesco Cavallaro, ein 44jähriger Mailänder und Komiteemitglied, traf die Schrotladung glücklicherweise nur in den Rücken und kam mit allerhand blauen Flecken und einem gehörigen Schrecken davon. Die am Abend bei der Polizei erstattete Anzeige verlief im Sande, weil das Haus illegal erbaut, der Besitzer also nicht auszumachen war und es zudem Uneinigkeit bei der Personenbeschreibung gab. Im Jahr darauf sollte der Vogelfänger auf frischer Tat geschnappt werden. An einem Oktobermorgen des Jahres 2001 stieg Francesco mit einigen Freunden nach Pantaghino auf. Er fand den Pfad voller Fallen und informierte die Forstpolizisten. Eiligst legten sich diese mit Schlafsäcken in die Büsche und warteten auf den Täter. Doch dieser mußte Lunte gerochen haben, denn als nach fünf Tagen kein Wilderer auftauchte, gaben die inzwischen durchgefrorenen und entmutigten Beamten auf. Darum mußte es im Jahr darauf klappen! Wieder standen im Pfad hinter dem Haus Fallen und wieder war die Forstpolizei zur Stelle. Als in der Tat am nächsten Morgen ein grün gekleideter Mann auf dem Fallenpfad erschien, griffen die bewaffneten Polizisten zu und verhafteten ihn. Doch entpuppte sich der Überführte später als Naturfreund, der die Fallen gerade einsammeln wollte. Inzwischen hatte Herbst 2003. Die Fallen hinter dem Haus waren erwartungsgemäß aufgestellt, die Forstpolizei war informiert, der festgenommene Naturfreund vom Vorjahr wurde vorsorglich in eine andere Gegend geschickt. Es konnte also losgehen. Die Polizei versteckte sich im Dickicht nahe des Pfades. Es verging ein Tag, dann zwei und auch drei. Der vierte Tag des Ansitzes war der 7. Oktober. Unmittelbar vor dem Abbruch der Aktion tauchte ein Jugendlicher auf, der etwas unschlüssig und vorsichtig in den Wald schaute, kurz darauf ein älterer Mann. Nach einigem hin und her betraten beide den Wald und begannen mit der Kontrolle der Fallen. Die Polizisten stürzten aus ihrem Versteck und Sekunden später waren die beiden Wilderer gestellt. Die Beamten beschlagnahmten über 400 Vogelfallen, zwei Gewehre und Munition. Der ältere der beiden Vogelfänger gestand beim anschließenden Verhör in der Kaserne der Polizei die Schüsse auf Francesco im Herbst 2000. Sein Neffe, der Jugendliche, wurde offenbar in das Wildererhandwerk eingeführt und sollte das Hobby seines Onkels weiterführen.Und als ob dies noch nicht genug wäre,gelang es dem Komitee am gleichen Morgen auf der anderen Talseite oberhalb von Collio, zwei weitere Wilderer zu beobachten. Eine freie Forstpolizeistreife wurde zu den Stellen geführt und just in dem Moment, in dem in Pantaghino nach jahrelanger Mühe im Wald die Handschellen klickten, wurden auch hier zwei Vogelfänger gestellt. Während am Abend im Vogelschutzcamp des Komitees gefeiert wurde, begann die Volksseele in Collio zu brodeln. Am darauffolgenden Abend rief der Bürgermeister zur Versammlung. Die Bewohner quetschten sich in den engen Gemeindesaal zur Krisensitzung, begleitet von der Lokalpresse bis hin zum lombardischen Fernsehen. Noch am gleichen Abend strahlte dieses dann aus, was am kommenden Morgen in jeder Zeitung zu lesen war: "Forstpolizei raus aus Collio!"Die üblen Hetztiraden gegen die eifrigen römischen Polizisten und die ehrenamtlichen Naturschützer aus Deutschland und Italien gipfelten in dem Vorwurf, diese würden die Fallen selber aufstellen, um die braven Bürger des schönen Collio in Verruf zu bringen. Doch der Sturm im Grappa… – Verzeihung! – … im Wasserglas legte sich rasch. Denn während die Schlammschlacht im Blätterwald andauerte, verrichteten Polizei und Naturfreunde weiter ihre Arbeit in den Bergen Brescias und sammelten bis Ende Oktober zusammen mehr als 20.000 Bogenfallen und über 200 Fangnetze ein. Und eines ist wohl auch den Bürgern von Collio klar: Mit ihrem kleinen Aufruhr werden sie kaum verhindern können, daß die Forstpolizei auch im Herbst 2004 in den Büschen Collios sitzen und warten bis die Wilderer kommen..... erschienen im Artenschutzbrief Nr. 8 (2004) (c) 2004 Komitee gegen den Vogelmord Autor: Alexander Heyd gedruckte Exemplare sind erhältlich beim Komitee gegen den Vogelmord e.V., Auf dem Dransdorfer Berg 98, 53121 Bonn, Tel: 0228-665521, Fax: 0228-665280, Email: info@komitee.de
ganz Pantaghino den Tumult im Wald bemerkt und so war auch 2002 die Aktion geplatzt.
1.6.2004 12:56:47
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