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Das Schicksal des Uhus in Deutschland

Mitte der 1960er Jahre war der Uhubestand in Deutschland auf zerstreute Reliktvorkommen in Bayern, Thüringen und Sachsen zusammengeschmolzen, in den nordwestlich angrenzenden Beneluxstaaten war er gänzlich ausgerottet. Auch in Skandinavien und vielen anderen Regionen Europas stand es um das Überleben der größten Eule Europas schlecht. Dem Einsatz zahlloser ehrenamtlicher Mitarbeiter ist es zu danken, dass der Uhu rund 40 Jahre später wieder in allen Bundesländern, in Luxemburg, Belgien, Dänemark – und seit einigen Jahren sogar wieder in den Niederlanden heimisch ist. 2005 ist er der „Vogel des Jahres“.

Der Uhu gehört zu den Vogelarten, die den Menschen schon seit langer Zeit faszinieren – eine Art der Faszination, die ihm allerdings nicht gerade zum Vorteil gereichte: Schon in der Antike galt er als Bote der Unterwelt und Sinnbild des Dämonischen; er kündigte Feuersbrünste, Hunger, Tod, Krieg, militärische Niederlagen und generell das Verderben an. So nennt ihn der römische Dichter Ovid unter den Vorzeichen zu Cäsars Ermordung. Als ‚Carmen ferale‘ – Todesgesang – bezeichnete man seinen Ruf. Im Mittelalter galt er als todbringender Vogel des Teufels, was heute noch an den Namen traditioneller Uhubrutfelsen, wie "Teufelskammer" oder "Teufelsley" beispielsweise an der Mosel und im Rurtal zu erkennen ist. Bis in die Neuzeit nagelte man Uhus wie auch andere Eulen an Haus- und Scheunentore, um Blitzschlag und Zauberei fernzuhalten. So begann die Verfolgung des Uhus bereits vor weit mehr als 1.000 Jahren, sofern man sich traute, dem Boten böser Mächte entgegenzutreten.

Uhu (Bubo bubo), (c) NABU BONN

Die Ausrottung durch die Preußen

Dennoch war der Uhu bis ins 17. Jahrhundert hinein in ganz Mitteleuropa weit verbreitet. Alleine in Nordwestdeutschland lebten vermutlich deutlich mehr als 1.000 Paare. Erst moderne Waffen und die konsequente, mit staatlichen Prämien geförderte "Raubzeugbekämpfung" durch die Preußen führten zu einem drastischen Rückgang. Da zugleich die Nachfrage nach Uhus für die "Hüttenjagd" stieg, wurden vermehrt Jungtiere aus der stetig schrumpfenden Wildpopulation entnommen. Bei der Hüttenjagd nutzte der Jäger, daß zahlreiche Vogelarten, besonders Greifvögel und Rabenvögel, einen tagsüber entdeckten Uhu attackieren. Hierzu setzte man einen Uhu gut sichtbar in freiem Feld auf einen Pflock. Aus einer Erdhütte heraus konnten die Jäger dann Greifvögel und Krähen in großer Zahl schießen. Die ab Mitte des 19. Jahrhunderts zunehmende Hüttenjagd hatte zur Konsequenz, daß seit Beginn des 20. Jahrhunderts nur noch eine überalterte und fragmentierte "Fassadenpopulation" aus Brutpaaren übrig war, deren Junge als Hüttenuhus ihr Leben in Gefangenschaft fristeten. Damit verschwand der Uhu schließlich in weiten Teilen Mitteleuropas zwischen 1935 und 1965 völlig.

Nach dem Zusammenbruch: Eine Organisation formiert sich

Die Situation änderte sich, als sich Anfang der 1960er Jahre im Deutschen Naturschutzring (DNR) die "Aktion Uhuschutz" formierte, die den endgültigen Niedergang des Uhus in Deutschland abzuwenden versuchte. Zentraler Bestandteil des Artenschutzprojekts sollte die Wiederansiedlung sein, gründete also darauf, Uhus im einstigen Areal freizulassen. Unterschiedliche Vorstellungen über Art und Umfang der Freilassungen führten schließlich dazu, dass die "Aktion Uhuschutz" 1973 eingestellt wurde. Daraufhin gründete Oswald Freiherr von Frankenberg und Ludwigsdorf in Zusammenarbeit mit Prof. Günther Niethammer die "Aktion zur Wiedereinbürgerung des Uhus" (AzWU). Ziel dieser Organisation war die Wiederansiedlung des Uhus im nordwestdeutschen Mittelgebirgsraum auf der Basis von Volieren-Nachzuchten. Die Volierenpopulation bestand einerseits aus Importen – überwiegend aus der Tschechischen Republik, Jugoslawien, Schweden und der Sowjetunion – andererseits aus ehemaligen Hüttenuhus, die durch Aufrufe in der Jagdpresse ausfindig gemacht werden konnten. Diese Uhus wurden zu Paaren zusammengestellt, an Tierparks und Zoos, aber auch an Klöster, Forstämter und Privatpersonen abgegeben und so allmählich ein Zuchtstamm aufgebaut.

Das Gebiet der Wiederansiedlung waren die Mittelgebirge in den Bundesländern Niedersachsen (Harz), Nordrhein-Westfalen (Weserbergland, Eifel), Hessen (Hessisches Bergland), Rheinland-Pfalz (Eifel) und Saarland, ab 1981 auch Schleswig-Holstein. Durch die systematischen Freilassungen etablierten sich schon bald die ersten Brutpaare im Freiland. Die Zahl der in freier Natur geschlüpften Uhus stieg in den ersten Jahren allmählich, im Laufe der 1980er Jahre stark an und wurde unterstützt von einer bis zum Ende der 1980er Jahre stetig steigenden Zahl freigelassener Uhus. Mit 199 freigelassenen Jungvögeln im Jahr 1988 erreichte die Aktion einem Höhepunkt. Das Jahr danach stellte die Wende dar, da erstmals mehr Jungtiere im Freiland als in den Volieren schlüpften.

 

Resümee eines erfolgreichen Artenschutzprojektes

Nach mehr als 2.500 freigelassenen Uhus ist eine der erfolgreichsten Artenschutzprojekte in Europa inzwischen abgeschlossen - der faszinierende Vogel ist heute wieder in allen Bundesländern heimisch. Mit ca. 800 Paaren in Deutschland, rund 50 Paaren in den Beneluxländern und weiteren 20 bis 30 in Dänemark existiert heute nördlich der Alpen wieder eine stabile Population – ein Erfolg, den sich die Uhuschützer mit berechtigtem Stolz auf die Fahnen schreiben dürfen. Der Zuchtstamm in den Volieren wird seit Anfang der 1990er Jahre abgebaut und inzwischen werden lediglich in Schleswig-Holstein noch wenige Uhus freigelassen.

Arbeitslos sind die Naturschützer indes nicht geworden: Nach Auflösung der "AzWU" im Jahre 1992 wurde noch im selben Jahr die Nachfolgeorganisation "Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e.V." gegründet. Sie verwaltet die im Rahmen der Wiederansiedlung des Uhus gewonnenen Daten über den Fortschritt der Aktion und führt bis heute die Beobachtung der Bestandsentwicklung des Uhus in der Eifel fort.

Heute hat der Uhu mit den "Nebenwirkungen" der Zivilisation zu kämpfen. Insbesondere Störungen an den Nistplätzen - zumeist durch Kletterer in Steinbrüchen und an Naturfelsen – führen immer wieder zum Verlust ganzer Bruten. Auch ungesicherte Stromleitungen werden den großen Vögeln immer noch zum Verhängnis, ebenso wie die fortschreitende Zerstörung des Lebensraumes durch den Bau von Autobahnen, Industriegebieten und die intensive Landwirtschaft.

Doch so dramatisch wie vor Jahrzehnten sieht es längst nicht mehr aus. Die weit voran geschrittene Sicherung von Stromleitungen und Erfolge beim Schutz des Lebensraumes haben dafür gesorgt, daß der diesjährige "Vogel des Jahres" sicher auch noch unsere Enkel in seinen Bann ziehen wird.

Artikel erschienen im Aretnschutzbrief Nr.9 (2005)
(c) 2005 Komitee gegen den Vogelmord e.V.
Autor: Dr.Lutz Dalbeck, Biologische Station Düren

Gedruckte Exemplare sind erhältlich beim Komitee gegen den Vogelmord e.V., Auf dem Dransdorfer Berg 98, 53121 Bonn, Tel: 0228-665521, Fax: 0228-665280, Email: info@komitee.de

 


22.5.2006 13:27:32



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