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Balkan: Vogelmord-Tourismus boomt (19.09.2005)

Während im Kampf gegen die Zugvogeljagd im Mittelmeerraum immer mehr Erfolge erzielt werden können, nimmt die Verfolgung bedrohter Arten in den EU-Beitrittsländern Rumänien und Bulgarien weiter zu. Was zum Schutz der Zugvögel in der EU seit Jahren verboten ist, hat sich dort längst zu einem Millionengeschäft für Jagdreiseveranstalter und die klammen Staatshaushalte entwickelt. Freier Abschuß von Feldlerchen, Drosseln, Turteltauben, Zwergschnepfen und Bekassinen, extrem lange Jagdzeiten sowie großzügige Abschußquoten haben die beiden Balkanländer in den letzten Jahren zu einem El Dorado für Vogeljäger aus ganz Europa gemacht.

So wirbt z.B. das staatliche rumänische Forstamt mit Frühlingsjagd- wochenenden auf Drosseln und Turteltauben (ab 1500,- Euro) oder dem unbegrenztem Abschuß ziehender Feldlerchen im Danube-Tal mit Schnellfeuergewehren und elektronischen Lockgeräten (ab 1800,- Euro). Das Komitee gegen den Vogelmord und seine Partnerverbände vor Ort gehen davon aus, daß pro Jahr allein von ausländischen Jägern mehrere Millionen Tiere getötet werden, darunter auch offiziell geschützte Arten wie Blauracken, Wiedehopfe, Greifvögel oder Rothalsgänse. Ein Großteil der geschossenen Tiere wandert über dunkle Kanäle in süd- und westeuropäische Kochtöpfe und illegale Trophäensammlungen. So wurden innerhalb der letzten Jahre mehr als 60.000 frisch geschossene Feldlerchen, 61.000 Wiesenpieper, 10.000 Turteltauben, sowie je rund 1.500 geschossene Bachstelzen und Goldammern aus Rumänien und Bulgarien bei Grenzkontrollen in Deutschland, Österreich und Italien beschlagnahmt. Endgültiges Ziel der Schmuggelware war in fast allen Fällen Italien, wo sie in Gourmetrestaurants für bis zu 50 Euro pro Tier verkauft werden sollten.

koffer voller Singvögel
Vom deutschen Zoll beschlagnahmt: Koffer mit gewil-
derten Wiesenpiepern
aus Rumänien (c) Foto: ZKA)

 
Proteste laufen an

Angesichts des kommerziellen Hintergrundes und des unglaublichen Umfangs des Vogelmordes in Rumänien und Bulgarien hat das Komitee gegen den Vogelmord die EU-Kommission gebeten, schon vor dem geplanten EU-Beitritt beider Länder auf ein Ende der brutalen Vogeljagd zu bestehen. Um das Ausmaß des Jagdtourismus und Konflikte mit EU-Umweltrecht zu dokumentieren wird das Komitee in der kommenden Jagdsaison Beobachtungsteams in beide Balkanländer entsenden. Weiterhin soll die Zusammenarbeit mit Verbänden vor Ort gefestigt und ausgebaut werden. Unter anderen soll ausgelotet werden, ob vor Ort konkrete Aktionen ähnlich der Vogelschutzcamps in Italien und auf Malta durchgeführt werden können.

So können Sie uns helfen

Unterstützen Sie unsere Arbeit gegen die Zugvogeljagd in Osteuropa. In den letzten Jahren konnten das Komitee und seine Partnerorganisation Green Balkans bereits zahlreiche illegale Abschüsse und Schmuggeltransporte geschützter Arten aufdecken. Um unsere Zugvögel auf dem Balkan jedoch wirklich nachhaltig zu schützen, muß noch viel getan werden. Sie können uns dabei helfen, durch

- Abschicken unserer Protestpostkarte gegen die staatlich organisierte
Zugvogeljagd in Rumänien (erhältlich beim Komitee gegen den Vogelmord)

- Protestschreiben an die EU:

- Beschwerdebriefe an die Fremdenverkehrsämter:

Rumänien: Rumänisches Touristenamt
Budapester Str.20a
10787 Berlin

Bulgarien: Bulgarisches Fremdenverkehrsamt
Mauerstr.11
10117 Berlin

- Eine steuerlich absetzbare Spende


20.9.2005 11:36:12



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