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Vogelgrippe & Wasservogeljagd: Eine Risikoanalyse (20.08.2005)

Vogelschützer warnen vor dem Risiko einer Übertragung der asiatischen Vogelgrippe bei der Wasservogel- und Schnepfenjagd in Deutschland. So dürfen in Deutschland ab dem 1.September wieder insgesamt 23 Zugvogelarten bejagt werden, von denen insbesondere Saat- und Blessgänse, Krickenten sowie Waldschnepfen direkt aus ihren russischen Brut- und Rastgebieten nach Deutschland kommen.

Der Anteil dieser vier Arten an der gesamten deutschen Jagdstrecke von rund 1,5 Millionen Zugvögeln beträgt nach Schätzung des Bonner Komitees gegen den Vogelmord  rund 12%. Das entspricht rund 180.000 Kontakten zwischen Menschen und direkt aus Russland einfliegenden Vögeln. Die Daten sind das Ergebnis einer aktuellen Auswertung der deutschen Jagdstatistik, die das Komitee heute in Bonn veröffentlicht -------------------------------------------------------------------------------


Komitee gegen den Vogelmord e.V.

August 2005

Informationen zur Vogelgrippe: Ansteckungsgefahr durch Zugvogeljagd ?

Anteil russischer und asiatischer Vögel an der bundesdeutschen Jagdstrecke

Ein erheblicher Teil der gemäß Bundesjagdgesetz § 2 in Deutschland jagdbaren Vogelarten sind Zugvögel. Insbesondere die Gänse, Enten und Waldschnepfen, die insgesamt ein Drittel der deutschen Vogelstrecke ausmachen, stammen dabei aus Skandinavien und Rußland.

Wildgänse: Von den in Deutschland zum Abschuß freigegebenen Gänsen (Grau-, Bläß-, Saat-, Kanada- und Weißwangengans) sind lediglich Bläß-, Saat- und Graugans mit einem Anteil von über 95 % der Jahresjagdstrecke von jagdlicher Bedeutung. Während die bei uns im Winter bejagten Graugänse (Anser anser)praktisch ausschließlich aus Skandinavien, dem Baltikum und dem östlichen Mitteleuropa stammen, brüten fast sämtliche in Mitteleuropa überwinternden und hier bejagten Saat- und Bläßgänse in Rußland (Bestände nach Hagemeijer & Blair sowie Rutschke). Die Saatgans (Anser fabalis)macht mit etwa 4.200 geschossenen Exemplaren 13,5 % der deutschen Jahresjagdstrecke der Wildgänse aus. Rund 95 % dieser Gänse brüten in Rußland, etwa 20% in der Tundra östlich des Ural. Die Bläßgans (Anser albifrons) brütet ausschließlich in Rußland, wobei ihr Verbreitungsschwerpunkt im Norden Asiens liegt – etwa 60 % der in Mitteleuropa überwinternden Bläßgänse brüten in Sibirien östlich des Urals. Mit einer Strecke von über 13.000 Tieren (rund 40% der Jahresjagdstrecke) ist die Bläßgans die jagdlich wichtigste Gänseart in Deutschland.

Es ist daher davon auszugehen, daß von den jährlich etwa 31.000 in Deutschland geschossenen Wildgänsen (2003: 30.937 Tiere, 2004: 31.017 Tiere) ein Anteil von rund 45 % (entspricht 14.000 Tieren) aus russischen Brutgebieten stammt, wobei zwischen 6.000 und 7.000 der erlegten Gänse (entspricht 19 – 22% der Jahresjagdstrecke) östlich des Urals brüten.

Wildenten: In Deutschland werden jedes Jahr etwa 520.000 Wildenten geschossen (2003: 526.003 Tiere, 2004: 520.823 Tiere). Die meisten getöteten Exemplare waren dabei Stockenten (ca. 76 % oder 396.000 Tiere), gefolgt von Reiherenten (ca. 12,5 % oder 65.000 Tiere), Pfeifenten (ca. 6 % oder 33.000 Tiere), Tafelenten (ca. 4 % oder 21.000 Tiere) und Krickenten (ca. 1 % oder 5.000 Tiere). Alle in Deutschland bejagten Entenarten brüten auch in Rußland. Die russische Brutpopulation zieht zu einem großen Teil im Winter in die milderen Gebiete Süd-, West- und Mitteleuropas. Bei der für die Jagd in Deutschland besonders bedeutenden Stockenten liegt der Anteil russischer Brutvögel an der Gesamtpopulation in Europa bei einem Viertel, bei Tafel-, Reiher- und Pfeifente bei rund einem Drittel. Die Krickenten in Europa brüten zum größten Teil in Rußland, mehr als 70 % der in Europa überwinternden Tiere dieser Art stammen dorther.

Diese Zahlen zugrunde legend ergibt sich ein Anteil von schätzungsweise 30 – 32 % russischer Brutvögel an den in Deutschland überwinternden und zum Abschuß freigegebenen Enten. Zwischen 155.000 und 165.000 Enten der bundesdeutschen Jagdstrecke stammen demnach aus der russischen Föderation. Die Zahl der von den Gebieten östlich des Urals brütenden Tiere, die in Mitteleuropa überwintern, ist nicht bekannt, liegt aber sicherlich in einer Größenordnung von einigen Prozent.

Waldschnepfen (Scolopax rusticola): 84 % aller Waldschnepfen in Europa stammen aus Rußland. Die Art brütet dort bis nach Ostsibirien, wobei alle Brutvögel westlich des Urals im Herbst nach Südwesten in die mittel- und südeuropäischen Überwinterungsgebiete zieht (Hagemeijer & Blair). Der asiatische Teil der Population überwintert zum überwiegenden Teil in Südasien, doch Ringfunde haben gezeigt, daß auch asiatische Tiere den Flug nach Europa antreten.

Es ist mit Sicherheit davon auszugehen, daß von den jährlich rund 10.000 in Deutschland geschossenen Waldschnepfen (2003: 10.848 Tiere, 2004: 9.089 Tiere) etwa 7.500 bis 8.500 Tiere aus den Tundren Rußlands stammen.

Zusammenfassung:
Bei der Jagd auf Zugvögel töten deutsche Jäger in jedem Jahr schätzungsweise 180.000 bis 190.000 russische Wildvögel. Insbesondere durch die schwerpunktmäßig mittel- und ostsibirische Verbreitung einiger Gänsearten werden dabei über 7.000 Tiere erlegt, deren Brutgebiet östlich des Urals in Asien liegt.


Berechnungsmethoden:

Anteil russischer Vögel an der bundesdeutschen Jagdstrecke

1.) GÄNSE:

Saatgans:
Anzahl Überwinterer in Mitteleuropa: 250.000
davon Russen: etwa 95% = 237.500 Tiere
davon Asiaten: etwa 20% = 50.000 Tiere
Bläßgans:
Anzahl Überwinterer in Deutschland: 600.000
davon Russen: 100 % = 600.000 Tiere
davon Asiaten: 60% = 360.000 Tiere
Graugans:
Anzahl Überwinterer in Deutschland: 200.000
davon Russen: 5% = 10.000 Tiere
davon Asiaten: 0%

Gesamtzahlen Gänse:
Anzahl Überwinterer: 1.050.000 Tiere
davon Russen: 847.500 Tiere = 80,71%
davon Asiaten: 410.000 Tiere = 39,05 %


ERGEBNIS: Strecke Gänse Deutschland ohne Graugans: 17.517 Tiere
davon Russen: 14.138 Tiere
davon Asiaten: 6.840 Tiere
2.) ENTEN

Gesamte Entenstrecke in Deutschland: 520.823 Tiere
davon 33.000 Pfeif, 5.000 Krick, 396.000 Stock, 21.000 Tafel- und 65.000 Reiherenten.

Verhältnis europäische Population zu russischer Population (Bestände nach Hagemeijer & Blair)

Pfeifente (Anas penelope) : 2:1 also 11.000 Russen
Krickente (A. crecca) : 1:3 also 3.700 Russen
Stockente (A. platyrynchos) : 3:1 also 99.000 Russen
Tafelente (Aytina.ferina) : 2:1 also 7.000 Russen
Reiherente (A.fuligula) : 1:2 also 43.000 Russen

Ergebnis: 163.700 „Wildenten“ der deutschen Jagdstrecke sind russischer Herkunft!

3.) WALDSCHNEPFE

Laut Hagemeijer & Blair sind 84% der Waldschnepfen russische Brutvögel. Die Art brütet auch östl. des Urals!

Ergebnis: Der Anteil russischer Waldschnepfen an der deutschen Gesamtstrecke liegt bei 7.635 Vögeln.

Literatur:

Rutschke, Erich: Wildgänse- Lebensweise, Schutz, Nutzung, Parey-Verlag, Berlin 1997

DJV-Hanbuch Jagd 2005, Verlag Erich Hoffmann, Mainz 2005

Hagemeijer Ward JM, Blair Michael J.: The EBCC Atlas of European Breeding Birds, London 1997

 

21.9.2005 11:55:25



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