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Jagdfreie Alpenpässe - Erfolg vor Gericht

Die Alpenpässe der Lombardei sind die niedrigsten des Gebirgszuges und damit eine ideale Zugroute für die transalpinen Zugvögel. Abermillionen Singvögel überqueren hier die Berge, um zu ihren Überwinterungsquartieren bzw. zu ihren Brutgebieten zu gelangen. Das wissen vor allem die Jäger zu schätzen, die sämtlichen Pässe mit Schießbunkern zugebaut haben. Wenn im Herbst ein sonniges Wochenende bevorsteht, fahren Freitag Abends Tausende Bewaffnete mit ihren Jeeps und Allrat-Fiats ins Hochgebirge. Nach einer durchzechten Nacht eröffnen die Jäger mit dem ersten Morgenlicht das Sperrfeuer auf die Vogelschwärme. An solchen Tagen kommt kaum ein Vogel in den Ebenen südlich der Alpen an - alleine in der Lombardei werden an einem Wochende bis zu 250.000 Vögel, vor allem Drosseln und Finken, getötet - ganz legal! Zudem stellen die Jäger überall um ihre legalen Schießanlagen illegale Netze und Fallen auf, um ihre Lockvogelkäfige mit Vögeln zu bestücken. Kontrollen ergeben immer wieder, daß fast jeder Jagdscheininhaber nebenbei wildert. Besonders beliebt sind hierbei Rotkehlchen, die in Italien seit Jahrzehnten unter Naturschutz stehen.

EU-Richtlinie schützt Zugwege

Dem rücksichtslosen Gehabe der italienischen Jäger könnte bald ein Ende gesetzt sein. Die EU-Vogelschutzrichtlinie und das italienische Naturschutzrecht fordern die Unterschutzstellung bedeutender Zugwege - wie z.B. die wichtigen Alpenpässe. Schon vor 20 Jahren haben das Komitee und italienische Verbände gefordert, die Jagd auf den Pässen zu verbieten - ohne Erfolg. Vor fünf Jahren hatten die Vogelschützer bereits einmal erfolglos gegen die Provinz Brescia geklagt, die für die Unterschutzstellung verantwortlich wäre. Im Herbst 2006 erhielt das Komitee neue, ganz aktuelle Informationen über das Zuggeschehen in den Zentralalpen vom staatlichen Wildbiologischen Institut in Bologna. Eine sofortige Eingabe des Komitees bei der Provinz wurde schlichtweg nicht beachtet. Daraufhin legte unsere Anwaltskanzlei Linzola aus Mailand Klage beim zuständigen Gericht in Brescia ein. Die Richter entschieden am 09.07.2007 daß die Provinz die neuen Informationen beachten und die Pässe unter Naturschutz stellen muß. Einen Monat haben die Richter der jagdfreundlichen Provinzverwaltung nun gegeben, um die Jagd von 14 bedeutenden Pässen zu verbannen - ein riesiger Erfolg für den Vogelschutz und die Arbeit der beteiligten Verbände.

(Quelle: KgdV)

 

30.7.2007 16:28:32



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