Trotz einer drohenden Klage der EU ist auf Malta erneut die Frühlingsjagd auf durchziehende Zugvögel freigegeben worden. Weil die kleine Inselrepublik damit gegen die Bestimmungen der EU-Vogelschutzrichtlinie verstößt, drohen ihr nun hohe Geldstrafen. Brüssels Umweltkommissar Stavros Dimas hatte Ende letzten Jahres eindeutig darauf hingewiesen, daß die Jagd auf heimkehrende Zugvögel nicht mit EU-Recht zu vereinbaren ist und deshalb verboten werden muss. Auf die Drohung aus Brüssel folgte prompt eine Erklärung des maltesischen Jagdverbandes: „Jeder, der unsere Traditionen wie Jagd und Vogelfang verbieten will, wird zuerst über eine Menge Leichen gehen müssen“, prophezeite Maltas Jägerpräsident Lino Farrugia damals düster. Die Drohung des Oberjägers kam offenbar an. Seit dem 10.April dürfen auf Malta wieder offiziell Zugvögel geschossen und gefangen werden. Schutzvorschriften werden von den Jägern meist dreist ignoriert. In den letzten Wochen seit Beginn der Jagdsaison haben Vogelschützer wieder zahlreiche geschützte Jagdopfer gefunden, darunter eine Steppenweihe, mehrere Rohrweihen, Turmfalken und Wespenbussarde.
Systematischer Beschuß
Wie es auf Malta und Gozo zugeht, wenn gefiederte Raritäten durchziehen, zeigt ein gut dokumentiertes Beispiel aus dem November 2006. Am Nachmittag des 3.11.2006 erreichte ein Schwarm von 14 Schlangenadlern gegen 15:30 Uhr die Küste Maltas. Kurz nachdem die Tiere das erste Mal gesichtet wurden, gerieten sie bei Handaq in die ersten Schrotsalven. Anschließend flog der Schwarm in Richtung Zebugg und danach weiter nordwärts in Richtung des Dwejra-Naturreservates auf Gozo. „Wo auch immer die Tiere auftauchten, es wurde ständig illegal auf sie geschossen“, so ein Beobachter des Verbandes Birdlife Malta. Gegen 17:30 Uhr bestand der Schwarm nur noch aus 10 Tieren, die gegen Einbruch der Nacht erschöpft und verstört nach einem Schlafplatz suchten. Hinter sich her zogen sie ein Karawane von Jägerautos, deren Insassen auf eine günstige Gelegenheit zum Abschuss warteten. Trotz der Anwesenheit einer Patrouille der Umweltpolizei im Gebiet fielen noch bis spät in die Dunkelheit zahlreiche Schüsse. Am nächsten Morgen versuchten mehrere Ornithologen, die Schlangenadler an ihrem Schlafplatz zu bestätigen. Doch Fehlanzeige. Offensichtlich hatte kein Tier das nächtliche Massaker überlebt. „Der systematische Beschuss und die wahrscheinlich komplette Vernichtung dieses Adlerschwarms durch eine Vielzahl von Tätern zeigt, wie groß der Handlungsbedarf auf Malta ist“, kritisiert Coen-Tanugi.
10.000 Euro für Vogelkrankenhaus
Um die illegale Vogeljagd auf Malta und der Nachbarinsel Gozo weiter aktiv zu bekämpfen, wird das Komitee seine bisher im April und Mai durchgeführten Vogelschutzcamps nun auch auf die Jagdsaison im Herbst ausweiten. Wie bei den Aktionen in Italien soll der illegalen Jagd durch konsequente Kontrollen und ständige Präsenz langfristig das Wasser abgegraben werden. Sergio Coen-Tanugi sieht das so: „Wer Angst haben muß, vor Gericht zu landen, schießt nicht auf Adler“. Parallel dazu laufen die Aufbauarbeiten für die vom Komitee mitfinanzierte Krankenstation für verletzte Wildtiere weiter auf Hochtouren. Am 28.März 2007 wurde der erste Bauabschnitt feierlich von Umweltminister George Pullicino eröffnet. Träger der Station sind unsere Koopertaionspartner Nature Trust Malta und die International Animal Rescue Malta. In dem vom Komitee mit mehr als 10.000 Euro gefördertem Projekt sollen ab der kommenden Jagdsaison neben gefiederten Jagdopfern auch verletzte Meereschildkröten und Delfine gepflegt und auf die Freiheit vorbereitet werden.
weitere Informationen über die Vogeljagd auf Malta und die Projekte des Komitees für einen besseren Schutz unserer Zugvögel können kostenlos in unserer Geschäftstelle angefordert werden: Telefon: 0228 665521 oder Email an info@komitee.de.
18.4.2007 12:29:44
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