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Düren: Giftköder und illegale Habichtsfangkörbe (Vogelschutz / 24.01.2007 )

Euskirchen/Düren: Eigentlich waren die Vogelschützer Alexander Heyd und Axel Hirschfeld am 5. Januar 2007 in der Feldflur bei Vettweiß-Disternich (Kreis Düren) auf einem Routine-Rundgang. Dabei stießen sie auf die Spuren eines kriminellen Wilderers, der mit einer Netzfalle und vermutlich auch mit Giftködern seltenen Greifvögeln nachgestellt hat. Mitten auf dem Acker nördlich des Feldweges „Erper Weg“ entdeckten die beiden Bonner zunächst einen offensichtlich vergifteten Mäusebussard, etwa 50 Meter daneben lag in einer kleinen Bodensenke ein Köder aus 10 Hühnereiern und Fleischresten. In einem nahen Feldgehölz fanden sie schließlich eine mit einer lebenden Brieftaube beköderte, aktive Falle für Greifvögel, einen illegalen Habichtsfangkorb

Der Fangkorb befand sich in ca. acht Meter Entfernung zu einem Hochsitz am Rand des Feldgehölzes. Als zusätzliches Lockmittel waren zwei an blauen Plastikschnüren befestigte tote Tauben um die Falle ausgelegt, von denen eine mit der Schnur direkt mit einem Pfeiler des Hochsitzes verbunden war. „Da hat sich jemand viel Mühe gemacht, Greifvögeln den Garaus zu machen. Wir hatten sofort den Verdacht, dass es sich dabei um einen Jäger handelt“, so Axel Hirschfeld, der als Biologe für das Bonner Komitee gegen den Vogelmord arbeitet.

"Ich habe Tauben damit gefangen"

Von einem benachbarten Feldgehölz aus gelang es den beiden Vogelschützern kurze Zeit später, einen mit einer Schrotflinte bewaffneten Mann dabei zu beobachten, wie er gezielt den Eier-Köder inspizierte, danach den toten Bussard aufhob und anschließend auf direktem Wege zum Fangkorb ging. Alexander Heyd: „Der Mann zog eine Wasserflasche aus der Jacke und schüttete etwas davon neben die Taube. Als sich der Verdächtige wieder von der Falle entfernte, haben wir sofort per Funktelefon die Polizei verständigt und sind auf ihn zugerannt. Als er uns heranlaufen sah, kehrte der Mann zur Falle zurück, löste sie aus und wollte damit weggehen.“ Auf die Frage, was er da mache, antwortete der Mann den Vogelschützern vor laufender Videokamera, er fange mit dem Gerät Tauben. Nach seinem Namen befragt, stellte er sich als Herr S. aus Nörvenich und Pächter des Jagdrevieres vor. Auch auf die erneute Frage, ob er sich dessen bewusst sei, dass der Einsatz eines solchen Fanggerätes eine Straftat darstellt, antwortete der Jäger, er habe mit dem Gerät lediglich Brieftauben fangen wollen. Trotz der sowohl von Alexander Heyd als auch von Axel Hirschfeld vorgetragenen Bitte, bis zur Klärung des Sachverhaltes durch die Polizei am Tatort zu bleiben und den Korb nicht mitzunehmen, packte S. die Falle in den Kofferraum seines in der Nähe parkenden Kombis und brauste davon. Einige Zeit später kehrte er jedoch zum Tatort zurück und erklärte den mittlerweile eingetroffenen Polizeibeamten, er habe die Falle angeblich kurz vor Eintreffen der Vogelschützer „gefunden“ und wollte sie gerade zur Polizei bringen. Die Taube habe er fliegen gelassen. „Jede Wette, dass der inzwischen mit einem Anwalt telefoniert hatte“, kommentiert Hirschfeld und verweist auf das von ihm erstellte Video, in dem S. mehrfach zugibt, den Fangkorb eingesetzt zu haben.

Der illegale Fangkorb, der tote Bussard, Proben der mutmaßlichen Giftköder und die toten Locktauben wurden von Beamten der Euskirchener Polizei nach Rücksprache mit dem Landeskriminalamt in Düsseldorf zur weiteren Untersuchung sichergestellt. Das Komitee gegen den Vogelmord hat umgehend Anzeige gegen den Jagdpächter wegen des Verdachts auf Jagdwilderei und weiterer Straftaten erstattet. Die Vogelschützer weisen darauf hin, dass bereits Anfang Mai 2003 Jahren im Jagdrevier des Herrn S. ein mit einer Ködertaube bestückter Habichtsfangkorb von der Polizei beschlagnahmt wurde. Ein Täter konnte damals nicht ermittelt werden.

Spitze des Eisberges

Nachdem die lokalen Tageszeitungen über den Fall berichtet hatten und auch die Polizei Düren die Bevölkerung um sachdienliche Hinweise gebeten hatte, haben sich mehrere weitere Zeugen gemeldet. Bis Mitte Januar hatten die Polizei und Mitarbeiter des Komitees gegen den Vogelmord einen zweiten Habichtsfangkorb aus dem Revier des Herrn S. sichergestellt. Zudem konnten zwei weitere mutmaßliche Vergiftungsstellen ausfindig gemacht werden, insgesamt vier tote Bussarde und ein Graureiher - dem ersten Anschein und den Fundumständen nach ebenfalls vergiftet - wurden gefunden und zur Analyse gebracht.
Weitere Fälle von Vergiftungen und illegal getöteten Greifvögeln aus dem Großraum Düren liegen inzwischen vor. "Wir sehen hier nur die Spitze des Eisberges", kommentiert Alexander Heyd. "Die Feldflur zwischen Düren und Euskirchen", so der Vogelschützer, "ist ein Massengrab für Greifvögel".

Greifvögel gehören nach Angaben des Komitees seit 1980 zu den in Deutschland streng geschützten Vogelarten. Wer sie fängt, vergiftet oder ihnen mit Fallen nachstellt, begeht eine Straftat und kann nach den Bestimmungen des Bundesnaturschutzgesetzes (§ 66) mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren bestraft werden.

Links zu aktuellen Presseartikeln:


Dürener Nachrichten, "Höchste Gefahr für Menschen", Ausgabe vom 23.01.2007

Dürener Nachrichten, " Tote Greifvögel: Hohe Strafe, Jagdschein und Waffen weg", Ausgabe vom 15.1.2007

Kölnische Rundschau, "Bussard vergiftet - Wilderei?, Ausgabe vom 9.1.2007


8.8.2007 11:11:39



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